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A- Junioren Spieler im Portrait

Unsere U 19 (A-Jugend) steht im Finale des Kreispokals und ist seit Mitte November nach drei Siegen hintereinander Tabellenführer der Bezirksliga. Eine starke Leistung des Teams um Trainer Benny Hoose. Kein Wunder, dass einige Spieler nun vom Aufstieg träumen und die Mittelrheinliga im Blick haben. Wir haben mit drei zufällig ausgewählten Spielern der Mannschaft gesprochen: über ihre sportliche und ihre schulische Situation, über ihre Ziele und ihre bisherigen Stationen im Sport und im Leben. Drei unterschiedliche Spieler, die alle wissen, was sie wollen und ziemlich klar im Kopf sind. Lesen Sie selbst:

Die Geschichte von Eugene Park, dem Kapitän unserer A-Jugendmannschaft, ist eine sehr internationale Geschichte. Seine Eltern haben sich in Schweden während ihres Studiums kennengelernt, dort ist er zur Welt gekommen. Seine Mutter stammt aus Litauen, sein Vater aus Korea. Heute wohnt die dreiköpfige Familie in Pulheim. Es verwundert nicht, dass Eugene mit dieser Lebensgeschichte fünf Sprachen spricht – Koreanisch, Litauisch, Deutsch, Englisch und (ein wenig) Französisch – und sein Name in jedem Land anders ausgesprochen wird. Eugene geschrieben, wird es hierzulande ungefähr so ausgesprochen: „Jüdgzin“. Da ist sein Spitzname schon einfacher: Crepes – wie die rote Krabbe in Spongebob. Warum? Weil sie mit Vornamen Eugene heißt. Alles klar?

Eugene ist 17 Jahre alt und bezeichnet sich selbst als vorausschauend und sachlich und dies – so sagt er – ziehe sich durch alle Bereiche. Auch auf dem Fußballplatz behält er die Kontrolle und einen kühlen Kopf. Verlieren kann er schlecht, bezeichnet sich als sehr ehrgeizig. Ehrgeiz sei hilfreich, denn so wird man besser, sagt er. Er hat Ziele, die er sich selbst steckt und auch erreicht. So wie Klavier spielen zum Beispiel. Das hat er sich  – inklusive Noten lesen – selbst beigebracht, ohne Unterricht. Er hat sich einfach an das Klavier seiner Mutter gesetzt und angefangen zu spielen. Er spielt Klavier zur Entspannung und zum Stressabbau. Dass ein so friedfertig und freundlich erzogener Mensch überhaupt Stress abbauen muss, kann man kaum glauben, aber er bringt es so auf den Punkt: „Während des Spiels bleibe ich immer ganz ruhig, aber nach dem Spiel zeige ich schon Emotionen und dann muss die Wut auch mal raus.“ Am Klavier eben – eine gute Lösung für alle. Aber Eugene kann durchaus auch dickköpfig sein, seine eigene Meinung vertreten und seinen eigenen Weg gehen.

Zum Beispiel den Weg zum FC Hürth, wo er im zentralen Mittelfeld spielt. Bevor er zu uns kam, spielte er bei Fortuna Köln in der Mittelrheinliga, hat sich dort aber nach einem Trainerwechsel nicht mehr wohlgefühlt. Dies lag auch an einer Verletzung und an einer schlechten Vorbereitung, die aber an etwas sehr schönem lag: an der Berufung in die U-17-Nationalmannschaft Litauens, für die er mittlerweile bereits acht Einsätze bestritten hat. Aber nun hatte er etwas den Anschluss bei der Fortuna verloren und fand sich plötzlich auf der Bank wieder. Das konnte er gar nicht ertragen. „Ich will spielen!“, so Eugene, für den der Weg nach Hürth kein Rückschritt ist und der sich sicher ist, auch vom FC Hürth aus später eine Karriere in der Regionalliga oder sogar in der 3. Liga zu erreichen. In Hürth spielt er seit 2017 und hat hier nicht nur seinen Stammplatz wieder sicher, sondern auch den Spaß am Spiel wiedergefunden.

Das Ziel für seine Hürther U-19 ist klar: „Aufstieg, auch wenn es schwer wird und uns die dreckigen Siege noch fehlen“, so Eugene. Und sein Lieblingsverein, der 1. FC Köln, was erreicht dieser in der aktuellen Saison? „Der FC schafft den Aufstieg, da bin ich mir ziemlich sicher.“

Eugene besucht die 12. Stufe des Gymnasiums in Kloster Knechtsteden genau zwischen Köln und Düsseldorf und hat derzeit einen Notenschnitt von 1,5. Im Sommer will er genau mit diesem Schnitt sein Abi in der Tasche haben, den Führerschein hat er schon. Ziele setzen und erreichen eben – so sein Motto. Studieren möchte er später mal Psychologie oder Informatik, dies liegt an seinem großen Interesse am autonomen Fahren in der Zukunft und an allem was sich um künstliche Intelligenz und Roboter dreht.

Noch einmal etwas Neues wagen in seinem Fussballerleben, das wollte Sebastian Brandt, genannt Basti, mit seinem Weg zum FC Hürth. Schon im Alter von vier Jahren begann er mit dem Fussball und blieb seinem Verein, dem SV Lövenich/Widdersdorf, über viele Jahre treu. Genau genommen bis zum Beginn dieser Saison. Da wollte er wissen ob er auch höherklassig spielen kann. Das hätte er zwar gerne mit seinem alten Verein gemacht, aber mit seinem Team hat er den Aufstieg in die Bezirksliga dreimal verpasst. Also musste ein neuer Verein her.

Kurzerhand ging Basti auf den FC Hürth zu, vereinbarte zwei anstrengende Probetrainingseinheiten und wurde genommen. „Ich wollte das schaffen und war auch überzeugt davon, dass ich es schaffe“, so Basti, der sich in Hürth wohlfühlt, die Voraussetzungen was Plätze und Material angeht sehr gut findet. Das liegt auch an seinen drei Trainern Benny, Julius und Milan, die mit dem großen Kader mit viel Fingerspitzengefühl und Engagement umgehen. Dies ist bei einem fast 30-Mann-starken Kader nicht immer nur leicht, denn der Konkurrenzkampf innerhalb des Teams ist entsprechend groß. Zumal immer nur 18 Mann im Kader stehen können. Trotzdem sei die Stimmung in der Mannschaft gut, sagt Basti, bei aller Konkurrenz sogar freundschaftlich. Das Training empfindet er als intensiv und professionell und der Unterschied zwischen der Sonderstaffel und der Bezirksliga sei größer als er es erwartet hätte. Man spüre die höhere Klasse deutlich.

Der im Oktober 18 Jahre alt gewordene Basti besitzt bereits den Führerschein und nutzt den Golf der Familie für die Fahrten dreimal die Woche von Lövenich nach Hürth zum Training oder für Auswärtsfahrten. „Er bekommt ihn lediglich von der Familie zur Verfügung gestellt“, ruft der Vater aus dem Hintergrund lachend und dokumentiert damit das fröhlich-freundliche Miteinander der Familie Brandt, zu der neben Mutter und Vater insgesamt fünf Kinder gehören. Basti hat vier jüngere Geschwister, sein 15-jähriger Bruder und seine 13-jährige Schwester spielen ebenfalls im Verein Fußball – beide in Brauweiler.

Basti besucht derzeit die 12. Stufe des Liebfrauen-Gymnasiums in der Nähe des Melaten-Friedhofs in Köln mit dem Ziel einen guten 1er-Schnitt beim Abitur zu erreichen. Später will er dann Betriebswirtschaft studieren und sich mit dem Fußballspielen im Seniorenbereich das Studium mitfinanzieren. Als Innenverteidiger kommt er in Hürth auf viel Einsatzzeit und löst viele Spielsituationen mit dem Kopf, mit Spielintelligenz. Sich selbst bezeichnet er dabei als eher ruhigen Typ, der von Spiel zu Spiel an Selbstvertrauen gewinnt und an Schnelligkeit noch etwas zulegen könnte.

Seit einem Jahr hat er eine feste Freundin, mag Karneval, chillen mit  Freunden und Skifahren. Nur für den Besuch im Rhein-Energie-Stadion bleibt ihm zu wenig Zeit, da würde er gerne häufiger hin, zumal er vom Wiederaufstieg des FC in die 1. Bundesliga überzeugt ist. Den Aufstieg in die Mittelrheinliga hält er auch für sein Team der U19 in Hürth für möglich: „Das ist unser Ziel“, so Basti.

„Ich will immer spielen“, sagt auch Alisher, der erst seit sechs Jahren in Deutschland lebt aber unsere Sprache perfekt spricht und schreibt. Dies ist für einen 17-jährigen alles andere als normal und so könnte Alisher als ein gelungenes Beispiel für Integration gelten. Oder kennen Sie viele 12-jährige, die, wenn sie nach Kirgisien umziehen würden, dort nach sechs Jahren so gut zurechtkämen, wie er ?

Kirgisien liegt in Zentralasien an der Seidenstraße, der alten Handelsroute zwischen China und der Mittelmeerregion – unterhalb von Kasachstan und auf der Landkarte etwas rechts oberhalb von Tadschikistan. Man fliegt etwa 9 Stunden dorthin und der Salus-Park ist von der Hauptstadt Bischkek genau 6.100 Kilometer weit entfernt. Also ziemlich weit weg, um es mal freundlich zu formulieren.

Alisher kommt aus Bischkek, auch er hat vier Geschwister, alles ältere Schwestern. Mit seiner Mutter und einer Schwester zog er 2013 nach Deutschland zu einer weiteren Schwester und deren Mann nach Frechen, wo er heute noch lebt und in Habbelrath das Nell-Breuning-Kolleg – Abteilung Wirtschaftsgymnasium – besucht. Und zwar mit dem Ziel, 2020 das Abitur in der Tasche zu haben. „Natürlich ist das schwer und die Einführungsphase war schon sehr anspruchsvoll, aber ich schaffe das, ich bin die Hoffnung meiner Mutter“, sagt Alisher klar und entschlossen. In Kirgisien habe die Familie nicht so gute Zukunftschancen gehabt, er weiß was Armut bedeutet und was es heißt, manchmal noch nicht einmal Geld für Brot zu haben. Die Familie habe viel gelitten und seiner Mutter gilt sein ganzer Ehrgeiz, sein ganzes Bemühen für eine gute Zukunft der Familie zu arbeiten.

So verwundert es auch nicht, dass er neben der anspruchsvollen Schule, dem Training und den Spielen beim FC Hürth nebenbei noch arbeiten geht um sich etwas Taschengeld zu verdienen: in der Distribution eines Medikamentengroßhandels in Frechen – gleich neben dem Fitnessstudio gelegen, weil es sich so schön verbinden lässt: dort trainiert er zweimal in der Woche vor der Arbeit jeweils zwei Stunden lang um fit zu bleiben.

Dazu gehört natürlich eine gewisse Organisation und Disziplin, aber die hat er. „Ich bin einer, der nie aufgibt“, sagt er und gibt zu, dass es in Deutschland am Anfang nicht einfach für ihn war. In der Hauptschule musste er erstmal klarkommen und die schwere Sprache lernen. Doch sein freundliches Wesen, seine Sportlichkeit und die Fähigkeit sich zu behaupten, haben ihm geholfen und so fand er schnell Freunde. Unter anderem beim Fußball.

Damit fing er bei Frechen 20 an – erst im Alter von 12 Jahren in der C-Jugend. Da haben andere Kinder schon sechs Jahre Erfahrung und Spielpraxis gesammelt. Doch Alisher hatte Ehrgeiz und Talent und spielt seit nunmehr drei Jahren beim FC Hürth und mittlerweile in unserer A-Jugend in der Bezirksliga – ein beachtlicher Weg. In unserem Verein ist er glücklich, den Aufstieg in die Mittelrheinliga hat er mit der Mannschaft fest im Blick.

Den Führerschein für`s Auto will er jetzt anfangen und klar ist, dass er studieren möchte auch wenn ihm die Richtung noch nicht klar ist. Im Fußball hingegen ist sie klar: er will weitermachen, höher spielen und verweist mit einem Lachen auf Jonas Hector, der auch erst sehr spät höherklassig Fußball spielte. Um seine Ambitionen unter Beweis zu stellen hat er bereits von sich aus Kontakt zur U-19-Nationalmannschaft seines Heimatlandes Kirgisien aufgenommen. Von dort wurden bereits Videos angefordert und vielleicht kommt es ja tatsächlich zu einem Probetraining. Zum Beispiel im Sommer, denn da verbringt er regelmäßig vier Wochen in seinem Heimatland Kirgisien – 6.100 Kilometer vom Salus-Park entfernt.

Achim Hannott